Unternehmensgründung in den Niederlanden

11 April 2017
Joost Wery
Advocaat

Ich möchte eine niederländische B.V. (GmbH) gründen, welche gesetzlichen Regelungen gelten dafür? #Startups #Niederlande

Die Niederlande gelten als ein sehr attraktives Standort für Startups. In den Niederlanden ist 2012 eine umfassende Gesetzesänderung zum Recht der „Besloten Vennootschap“ (B.V.) in Kraft getreten, womit die sogenannte „Flex-B.V.“ eingeführt worden ist. Diese „Flex-B.V.“ ist mit der in Deutschland bekannten Unternehmergesellschaft (kurz: UG haftungsbeschränkt) vergleichbar.

Für die Gründung einer (Flex) B.V. gelten nunmehr geringere Anforderungen. So ist die bislang obligatorische Bankerklärung abgeschafft worden. Die Notwendigkeit der Aufbringung eines Startkapitals von € 18.000,00 ist ersatzlos gestrichen worden.

Das Startkapital ist bisher als eine Art „Versicherung“ für mögliche Gläubiger angesehen worden. Um diese Gläubiger zukünftig zu schützen, darf die „B.V.“ nach der nunmehr erfolgten Gesetzesänderung keine Dividenden ausschütten, wenn deutlich ist, dass die Firma ihre Schulden nicht zahlen kann.

Unternehmer haben bei der Gestaltung ihrer B.V. jetzt mehr Freiheiten. So ist es ab 2012 möglich, Beschlüsse außerhalb der allgemeinen Gesellschafterversammlung zu fassen. Gesellschafterversammlungen können nun auch im Ausland stattfinden.

Ferner kann die Firma in dem Gesellschaftsvertrag bestimmen, dass jeder Gesellschafter seinen eigenen Geschäftsführer zu benennen hat. Bestimmt werden kann zudem, dass nicht-stimmberechtigte oder nicht-gewinnberechtigte Anteile ausgegeben werden.

Auch die bislang obligatorische „blokkeringsregeling“ ist 2012 abgeschafft worden. Diese Regelung beinhaltete bisher, dass ein Gesellschafter, der seine Anteile verkaufen wollte, entweder für den Verkauf die Zustimmung seiner Mitgesellschafter benötigte oder die Anteile erst seinen Mitgesellschaftern zum Kauf anbieten musste. Durch die Gesetzesänderung ist es einfacher geworden, die Übertragung von Anteilen den Regeln der Gesellschafter zu unterwerfen. So kann eine Übertragung auch für einen bestimmten Zeitraum ganz ausgeschlossen werden.

Die Notwendigkeit einer notariellen Gründungsurkunde bleibt jedoch zunächst erhalten.